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Kinderarmut – Prävention durch gerechte Bildungschancen

Eine Forderung der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende zum Internationalen Tag für die Beseitigung von Armut.


Wien, 16.10.2015 – im Rahmen der Aktionstage gegen Armut – „Es reicht. Für alle!“ fand gestern im AK Bildungszentrum die Diskussionsveranstaltung „Kinderarmut – Prävention durch gerechte Bildungschancen?“ statt. Als Gastgeberin lud die Österreichische Plattform für Alleinerziehende (ÖPA) eine prominente ExpertInnenrunde. Martin Schenk, Sozialexperte der Armutskonferenz, Heide Lex-Nalis von der Plattform Educare für elementare und außerschulische Bildung, Heidi Schrodt, Vorsitzende der Plattform „Bildung Grenzenlos“, Bernd Kniefacz - Lehrer und Psychagoge i.A., sowie Andrea Fraundorfer vom Bildungsministerium diskutierten mit einem hochkarätigen Fachpublikum über die derzeitige Situation im Bildungssystem und mögliche Perspektiven für ein gerechtes Bildungssystem.

 

Bildungszugänge für alle Kinder sichern

Armut und Bildung sind eng miteinander verknüpft. Einig waren sich die ExpertInnen, dass die gerechten Zugänge zu Bildung von vielen Faktoren abhängig sind. Dazu gehört etwa das Selbstbewusstsein, das nachweisbar bei Kindern aus armen Familien geringer ist als bei Kindern aus finanziell besser gestellten Familien. Aber auch Wohnsituation und Gesundheitszustand spielen eine große Rolle. Martin Schenk verweist in seinem Inputreferat auf die Mehrfachbelastungen die in armen Haushalten anfallen. „Wichtig ist ebenso die Einbindung der Eltern aber nicht in Form von Verpflichtung sondern in Form von Partnerschaftlichkeit“, so Heide Lex-Nalis. Dringend werden hier neue Ausbildungskonzepte für PädagogInnen benötigt, welche auch auf die heterogene Situation in der Praxis vorbereiten, aber auch mehr Diversität unter den zukünftigen AbsolventInnen. Es braucht Bewusstseinsbildung für die verschiedenen Lebenswelten der Kinder.

 

Bildungsreform dringend notwendig

Dringender Handlungsbedarf besteht bei der Weiterentwicklung unseres Schulsystems zu einem integrierenden Bildungssystem, das nach den Stärken der Kinder ausgerichtet ist und nicht nach den finanziellen Hintergründen der Familie. „Es ist ein echtes Armutszeugnis für Österreich, so zu tun, als hätte in unserem Schulsystem jeder die gleichen Chancen und ständig die ExpertInnen dazu zu ignorieren, so die Runde unisono. Notwendig dazu ist Veränderung in den Köpfen und Bewusstseinsbildung, sowohl bei politischen Entscheidungsträgern, bei den PädagogInnen und den Eltern. Dazu braucht es jetzt in erster Linie Interessenvertretungen die auf Missstände lautstark hinweisen und auf eine Umsetzung drängen.

 

Bildung fängt früh an

Besonders früh geschaffene gleiche Bildungschancen haben positive Effekte auf benachteiligte Kinder. Vor allem dürfen Kindergärten keine Verwahrungsstätten sein.

Der langfristige Besuch einer qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungseinrichtung wirkt sich nachhaltig auf die Kompetenzentwicklung von Kindern aus. Daher fordert die ExpertInnenrunde, diese umgehend an die Bedürfnisse der Familien anzupassen und nicht umgekehrt. Hier betont Lex-Nalis, „In den letzten 10 Jahren wurde einiges erreicht, aber es genügt noch nicht. Die Barcelonaziele sind mit einer Betreuungsquote von 24% anstatt 33% noch immer nicht erreicht.“ Um hier eine gute Situation zu schaffen, gehören die Kompetenzen bezüglich Kinderbetreuung und Bildung in die Hände des Bundes.

 

 

Info:

Im Jahr 2014 gab es 173 300 Ein-Eltern-Haushalte mit zu erhaltenen Kindern unter 25 Jahren, davon: 153 600 Mütter und 19 700 Väter bzw. 110 100 Alleinerziehende mit Kindern unter 15 Jahren (Statistik Austria, 2014). Ein-Eltern-Familien sind mit 34% eine der am höchsten armutsgefährdete Gruppe in Österreich


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